Kinder krebskranker Eltern
Eine Information für Ärzte und Pflegekräfte für den Umgang mit Kindern krebskranker Eltern
Liebe Ärzte, liebe Ärztinnen, liebe Pflegekräfte,
mit dieser Information möchten wir Sie auf die besondere Situation der Kinder Ihrer Patient/innen aufmerksam machen.
Ist ein Elternteil an Krebs erkrankt, so fühlen sich die Kinder und Jugendlichen häufig mit all ihren Fragen und Ängsten allein gelassen. Die gesunden Partner stecken meist selbst in einer tiefen Angst oder Erschöpfung und sind mit der Unterstützung des Erkrankten stark gefordert. So kommen die Kinder oft zu kurz, zumal sie die Erwachsenen nicht zusätzlich mit ihren Sorgen belasten wollen.
Trotz des enormen Zeitdrucks sehen viele professionelle Helfer die Not der Kinder eines onkologisch erkrankten Elternteils. Gleichzeitig zeigt unsere Erfahrung, dass Unsicherheiten im Umgang mit den Kindern und Jugendlichen bestehen.
Insbesondere aus der Betreuung der Angehörigen wissen wir, wie wichtig es ist, die Kinder der Patienten/innen rechtzeitig und altersgerecht mit einzubeziehen. So können psychische Beeinträchtigungen vermieden werden.
Nachfolgend finden Sie Anregungen, wie Sie die gesamte Familie unterstützen können.
Mit freundlichem Gruß und Dank
Projektgruppe Psychosoziale Onkologie/AG KinderTumorzentrum Berlin e.V.
Was können Sie tun?
- Fragen Sie Ihre Patienten/innen nach der familiären Situation.
- Ermöglichen Sie den Kindern oder Jugendlichen den Besuch Ihrer Station oder Ihrer Praxis. Bieten Sie den Eltern bei Bedarf ein Familiengespräch an.
- Nehmen Sie die Kinder und Jugendlichen als eigenständige Personen wahr und nehmen Sie Kontakt auf.
- Erklären Sie den Kindern und Jugendlichen altersgemäß und in einfachen Worten, was passiert. Folgen Sie den Fragen des Kindes und vermeiden Sie Überhäufungen mit fachlichen Details. Kinder und Jugendliche brauchen das sichere Gefühl, dass ihre Fragen ehrlich beantwortet werden.
- Kinder haben ein Recht darauf, ihre Gefühle zu zeigen. Fordern Sie keine Tapferkeit ein! Alle Gefühle sollten erlaubt sein. Sie können sich in Weinen, Aggression oder in scheinbarer Teilnahmslosigkeit ausdrücken. Manchmal ist das Verhalten der Kinder und Jugendlichen sehr widersprüchlich und wechselhaft. Es ist ebenso in Ordnung, fröhlich zu sein und den Alltagsaktivitäten nachzugehen.
- Ein häufiges Thema sind Schuld-gefühle oder die Angst, sich anzustecken. Hier können Sie sehr entlastend sein. Sagen Sie dem Kind ganz klar, dass es keine Schuld an der Erkrankung hat, dass niemand Schuld daran hat!
- Es kann für Kinder sehr schön und erleichternd sein, wenn sie kleine pflegerische Handreichungen übernehmen dürfen.
- Wenn ein Vater oder eine Mutter sterben wird, ist es wichtig, auch die Kinder auf den bevorstehenden Tod vorzubereiten. Erschwerte Trauerprozesse können wir verhindern, indem wir den Kindern Zeit und Ruhe einräumen, um sich zu verabschieden.
- Weisen Sie die Eltern auf die Möglichkeit hin, sich von psychosozialen Mitarbeitern, ambulanten Beratungsstellen, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Seelsorgern etc. Unterstützung zu holen.
Literaturauswahl
Broschüre „ Hilfe für Angehörige“
aus der Reihe „Die blauen Ratgeber“ der
Deutschen Krebshilfe e.V.
Tel: 0228/ 729900
www.krebshilfe.de
Broschüre „Mit Kindern über Krebs sprechen“
Hilfe für Kinder krebskranker Eltern e.V.
Tel: 069/ 67724504
www.hilfe-fuer-kinder-krebskranker.de
Broschüre „Wegweiser für Krebsbetroffene in Berlin“
Berliner Krebsgesellschaft e.V.
Robert-Koch-Platz 7, 10115 Berlin
Tel: 030/ 2832400
www.berliner-krebsgesellschaft.de
"Der Chemo-Kasper und seine Jagd auf
die bösen Krebszellen“
"Radio-Robby und sein Kampf gegen die
bösen Krebszellen“
Deutsche Kinderkrebsstiftung und Deutsche
Leukämie-Forschungshilfe
www.kinderkrebsstiftung.de
- Folder "Anregungen für den Umgang mit Kindern krebskranker Eltern - Eine Information für Ärzte und Pflegekräfte", 2007
- Folder "Anregungen für den Umgang mit Kindern krebskranker Eltern - Eine Information für Eltern und Angehörige", 2007
- Folder Psychosoziale Ansprechpartner in Berlin, 6/2010
Diese Information wurde erstellt von Mitgliedern der Projektgruppe Psychosziale Onkologie des Tumorzentrum Berlin e.V.
Letzte Änderung am Montag, 26. Juli 2010 um 08:47:14 Uhr.